Pfleger müssen besser Bezahlt werden - Zu Besuch bei der AWO in Sprockhövel


Mit AWO-Bereichsleiterin Esther Berg und Pflegedienstleiter Dennis Schatton in Sprockhövel


Dass für die Pflege deutlich mehr Geld bereitgestellt werden muss, steht für AWO-Bereichsleiterin Esther Berg ebenso außer Frage wie für den SPD-Bundestagskandidaten Ralf Kapschack. „Die Menschen sind auch bereit, einen höheren Beitrag für die Pflegeversicherung zu zahlen.“, zeigte sich der Wittener Sozialdemokrat beim Besuch der AWO-Sozialstation in Sprockhövel überzeugt. In der von seiner Partei geplanten Bürgerversicherung soll der Pflegebeitrag um 0,5 Prozent steigen.


„Für den Einzelnen ist das nicht viel. Weil aber nicht nur Löhne und Gehälter, sondern alle Einkommensarten dazu herangezogen werden, kommen dabei Milliarden zusammen.“, erläuterte Kapschack. „Die Bürgerversicherung ist überfällig, aber die Kassen müssen das Geld dann auch an die Pflegedienste weiter geben.“, forderte Esther Berg: „Bisher drücken die nur.“

Die Kosten der Pflegedienste seien in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen, die Vergütungen durch die Pflegekassen aber nur um 6,4 Prozent, rechnete Berg vor. Zahlreiche Pflegedienste hätten deshalb schon aufgeben müssen; zuletzt ein Unternehmen in Essen mit 300 Mitarbeiterinnen und 2000 Patienten.


„Wer soll diese Aufgabe übernehmen?“, fragte die AWO-Bereichsleiterin: „Auch die AWO kann nicht mehr kostendeckend arbeiten. Wir behalten unsere Sozialstation, weil wir uns als Sozialverband dazu verpflichtet fühlen.“ Auf Dauer sei das aber nicht durchzuhalten. Pflegedienstleiter Dennis Schatton warnte ebenfalls vor einem Pflegenotstand: „Wir haben schon lange keine Bewerbungen mehr bekommen.“ Dabei zahle die AWO-Sozialstation ihren 22 Angestellten und einer Auszubildenden den Tariflohn, was keineswegs mehr üblich sei. Dazu käme, dass die Pflegekräfte einen Großteil ihrer Arbeitszeit für die „überbordende“ Dokumentation verbringen müssten: „Die wollen Menschen pflegen und nicht am Schreibtisch sitzen.“


Eine Dokumentation sei nötig, aber die müsse von den Kassen mitfinanziert werden, forderte Esther Berg: „Dann können wir auch mehr Personal einstellen.“ Eine ordentliche Bezahlung hält auch Ralf Kapschack für notwendig: „Das ist ein Ausdruck von Wertschätzung für die Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen.“ Nicht nur aus seinen zahlreichen Hausbesuchen in den vergangenen Wochen, sondern auch aus familiärer Erfahrung wisse er, wie wichtig das Thema Pflege sei: „Es führt kein Weg an einer besseren Bezahlung vorbei.“

Mein Dank geht an Jürgen Taake, der diesen Beitrag zu meinem Besuch bei der AWO geleistet hat. Gute Pflege und gerechte Bezahlung gehören zusammen. Dafür will ich in Berlin nach der Wahl einstehen.

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