Konferenz mit Hubertus Heil: Sozialer Arbeitsmarkt wirkt!

Sie arbeiten als Küchenhilfe, als Betreuer beim Sportverein oder als Garten- und Landschaftsbauer: Über 240 Frauen und Männer im Ennepe-Ruhr-Kreis haben nach längerer Arbeitslosigkeit wieder eine Beschäftigung gefunden. Möglich macht’s der sogenannte „Soziale Arbeitsmarkt“, der auf maßgeblichen Druck der SPD vor zwei Jahren ins Leben gerufen worden war.


Um eine erste Bilanz zu ziehen habe ich zu einer prominent besetzten Online-Arbeitsmarktkonferenz eingeladen. Mit dabei waren Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Kommunen und sozialen Trägern aus dem gesamten EN-Kreis.


Mein Resümee: Der Soziale Arbeitsmarkt kommt gut an – bei den Beschäftigten und bei den Arbeitgebern. Viele Betriebe aus der freien Wirtschaft machen mit. Das ist ein gutes Zeichen und eine Chance für die Teilnehmer, später Anschluss auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, ohne staatliche Förderung. Wichtig ist, dass wir den Sozialen Arbeitsmarkt dauerhaft finanzieren!


Mathias Werner fühlt sich pudelwohl beim TuS Hattingen


Hubertus Heil betonte: „Es geht hier um mehr als Broterwerb. Es geht darum, sich wieder als Teil der Gesellschaft zu fühlen.“ 30 Prozent der Stellen seien in NRW entstanden, das zeige gerade den hiesigen Bedarf. Der Soziale Arbeitsmarkt dürfe „kein Strohfeuer“ bleiben.


Darüber würde sich auch Mathias Werner (Foto) freuen. Der 39-jährige Hattinger berichtete aus eigener Erfahrung. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er seine Tätigkeit in der Verwaltung aufgeben müssen und war länger ohne Arbeit. Beim heimischen „TuS“ gab man ihm eine neue Chance. Ein Glücksfall für beide Seiten. Werner ist für die Jugendmannschaften zuständig, organisiert (normalerweise) Turniere und Fahrten – und fühlt sich pudelwohl. „Ich habe wieder Struktur in meinen Tag bekommen, kann Verantwortung übernehmen.“ Das begleitende Coaching habe ihm gutgetan: „In den ersten Monaten musste man mich bremsen, damit ich nicht zu viel mache.“


"Arbeitsplätze stärken das Selbstbewusstsein"


Jochen Winter, Geschäftsführer der AWO Ennepe-Ruhr, bestätigte die positiven Eindrücke. Die AWO selbst beschäftigt zehn ehemals Langzeitarbeitslose als Küchenhelferinnen und -helfer in Kitas. Sie würden nicht nur einer sinnvollen Arbeit nachgehen, sondern auch eingebunden sein in ein Team. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Menschen“, ist Winter überzeugt.


Gute Nachrichten auch vom Jobcenter EN: Die Pandemie hat nicht dazu geführt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Arbeit verlieren. Die meisten Arbeitgeber hätten an ihren Beschäftigten festgehalten. Zudem ist die Abbrecherquote relativ gering: Die Teilnehmer sind engagiert bei der Sache.


Arbeitgeberverband sieht "Etappenerfolg"


Selbst aus der Wirtschaft, die die staatliche Förderung naturgemäß kritischer sieht, gab es Lob: Er sehe den Sozialen Arbeitsmarkt positiver als zu Beginn, sagte Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen. Den „Etappenerfolgen“ müsse aber weiter Entschlossenheit folgen: „Das Ziel muss die Integration in den ersten Arbeitsmarkt sein“, betonte Erlhöfer.


Stefan Marx, Geschäftsführer des DGB Ruhr-Mark, hob die gute Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit der Wirtschaft in Sachen Sozialer Arbeitsmarkt hervor. „Kleinigkeiten“ müssten an dem Förderprogramm verbessert werden. Insgesamt sieht er einen „Erfolg“: „Den lassen wir uns nicht wegnehmen.“


INFO:

Seit 2019 fördert der Bund die Beschäftigung Langzeitarbeitsloser mit Lohnkostenzuschüssen. Menschen, die seit sechs Jahren ohne Arbeit sind, werden bis zu fünf Jahre gefördert. In den ersten beiden Jahren erhält der Arbeitgeber die vollen Lohnkosten erstattet, in den Folgejahren verringert sich der Zuschuss. Wer mindestens zwei Jahre arbeitslos ist, kann eine bis zu zwei Jahre geförderte Beschäftigung aufnehmen (Förderung 75 Prozent, dann 50 Prozent für den Arbeitgeber). Dort, wo ein Tarifvertrag besteht, wird nach Tarif bezahlt. Um die Teilnehmer auf dem Weg zurück in Arbeit zu unterstützen, gibt es ein Coaching.

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